Zwischen Praterkick und Poesie

BARBARA KAUDELKA KABINENPREDIGT DEN WIENER SCHMÄH.

Manchmal fühl’ ich mich wie meine Großmutter. „Naja, das ist für einen Menschen Mitte vierzig ned so ungewöhnlich“, würden Sie vielleicht sagen. Bisserl uncharmant, aber kein grobes Foul. Im Fußball würde man sowas als „Leiberlzupfer“ bezeichnen. Warum ich aber gewisse Parallelen zu meiner Ahnin verspüre, hat mit zwei Dingen zu tun: 1. Meine Omi mochte Fußball und 2. Ich hörte sie oft sagen: „Früher woars irgendwie scheener“.

Und dies kam ganz oft im Doppelpass daher. Was ich persönlich heutzutage im Fußballsport vermisse, ist der typische Wiener Fußball-Jargon – dieser historisch gewachsene Wortschatz: bildhaft, humorig und ein bisserl schräg. Wienerisch eben. Generell ist die Wiener Mundart mit reichlich Dialektperlen gesegnet, die leider langsam in Vergessenheit geraten. Fragt man die Jugend, was ein „Sacklpicker“ (Häftling), ein „Gigerer“ (Pferd) oder ein „Zniachtl“ (kleine, schmächtige Person) sei, erntet man Fragezeichen. Das zwickt im Herzen. Aber zurück zum Leder: Aktuell hält König Fußball an jeder Ecke Hof und viele Menschen gebannt vor dem Bildschirm. Begriffe wie „Stanglpass“ hört man ab und zu, ebenso das „Gurkerl“, wobei dieses immer mehr dem Terminus „Wurz’n“ weicht.

Da reißt’s mich immer, eine „Wurz’n“ ist am Theater eine kleine, eher mickrige Rolle. Doch das Reservoir an schmunzelninduzierendem Kicker-Vokabular ist schier unerschöpflich! Starten wir bei den Basics. Der Ballesterer (Fußballspieler) kann vieles sein: Punktet er durch technische Versiertheit, ist er ein „Zangler“, hat er einen unerbittlichen Zug zum Tor, wird er als „Knipser“ gefeiert und verwandelt er mit hartem Stil, gehört er in die gefürchtete Kategorie „Eisenfuß“.

Fällt ein Spieler als wenig behende auf, wird jener „Holzg’schnitzte“ oft zum „Bankldrucker“ degradiert. Am Platz muss sich die Elf aufeinander verlassen können, besonders wenn man keinem „Jausengegner“ gegenübersteht. Also setzt man das kleinteilige „Scheiberlgspüh“ taktisch ein, fährt seine besten „Wadlbeißer“ zur Manndeckung auf und vergewissert sich, dass auch die „Außenpracker“ links und rechts dem Gegner höchstens einen „Bierdeckel-Radius“ Spielfreiheit lassen. Gibt das Team volle Energie, wird „g’fiedelt“ und „’zaubert“, man schaut, dass der Ball – vulgo „das Ei“, „die Wuchtl“ oder auch „die Frucht“ – nicht in die Nähe der eigenen „Hitt’n“ (des Tors) kommt. Sollte das doch passieren, wird g’scheit „ausputzt“, damit man ja kein „Bummerl“ kassiert.

Ziel ist es, die Partie zu beherrschen, die Gegnermannschaft schön „im Reindl“ zu haben. Dazu ein kleiner „Eisenbahner“ als Trick zum Drüberstreuen – a bisserl „für die Galerie spüh’n“ gehört dazu – und einen saftigen „Braadling“ ins Türl und schon ist der Rasen a g’mahte Wiesn! Und wie sagte schon Fußballlegende Hans „Goleador“ Krankl: „Wir müssen gewinnen, alles andere ist primär!“

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